Ratgeber: Warum Sie ein Haushaltsbuch führen sollten

Erschienen: 01.07.2017 | Thema: Finanzielles Basiswissen | Lesezeit: 8 Min.

Was haben Ihre Großmutter, der Staat und die Top Unternehmen unserer Wirtschaft gemeinsam? Sie alle führen Buch über ihre finanziellen Einnahmen und Ausgaben. Klingt irgendwie altbacken und langweilig - denken Sie jetzt vielleicht, doch das Haushaltsbuch ist heute aktuell wie eh und je. Wer Wohlstand schaffen will, muss schließlich wissen wohin sein Geld fließt, damals wie heute. Die Erkenntnisse sind dabei meisten genau so erschreckend, wie hilfreich. Wir zeigen wie es geht und stellen Lösungen vor.

+

Unternehmen sind Meister, wenn es um die Frage der finanziellen Buchführung geht. Das müssen sie auch sein, denn das Finanzamt verlangt von ihnen die lückenlose Aufklärung aller Zahlungen, Rechnungen und sonstiger Geldströme bis auf den letzten Cent genau. Doch nicht nur der Staat zieht Nutzen daraus, einen Überblick über diese Geldgeschäfte zu haben, auch das Unternehmen selbst profitiert: Wie viel Geld wird ausgegeben für Personal, Büroräume oder Druckerpapier? Wo gibt es Auffälligkeiten? Wo kann etwas eingespart werden? Es lohnt sich diese Informationen zu kennen und schließlich damit etwas verändern zu können. Auch im Privatleben können Sie auf ähnliche Weise profitieren.


Coffe-To-Go für 24€

Wie viel Miete zahlen Sie pro Monat? Was kostet ihre Handyflatrate? Auf diese Fragen kennen Sie die Antwort mit Sicherheit sofort. Das ist bei den meisten Menschen so, denn die großen und wichtigen Verbindlichkeiten des Lebens können wir einfach aus dem Kopf heraus überblicken.

Doch wie sieht es mit den kleinen und scheinbar unauffälligen Ausgaben aus. Wie viel geben Sie beispielsweise monatlich für Coffe-To-Go aus? Nehmen wir einmal an Sie gehören zur Mehrheit der Deutschen, für die der morgendliche Kaffegenuss zu einem guten Start in den Arbeitstag dazu gehört. Bei günstigen 1,20€ für den Becher an jedem Arbeitstag im Monat wäre die Antwort auf unsere Kaffe-Frage: 24€.
Das ist schon eine ganze Menge, oder? Viel mehr geben Sie für Ihren Handytarif vermutlich auch nicht aus und doch haben Sie den Preis für die Flatrate im Kopf, während Ihnen der Betrag für den Kaffe zwischendurch nicht bewusst ist. Diesem Problem wollen wir nun entgegenwirken, denn schließlich trinken Sie nicht nur Kaffe. Überall lauern die kleinen spontanen Ausgaben für zwischendurch. Die neue Jacke, die es „nur für kurze Zeit“ so günstig gab, der spontane Bowlingabend mit Freunden oder der Schokoriegel von der Tankstelle (für nur 2,50€). Kann ich mir das überhaupt alles leisten? Wenn am 20. des Monats der Kontostand mal wieder stark gegen Null geht und an Sparen gar nicht mehr zu denken ist, dann wahrscheinlich nicht.


Erkenntnis #1:
Alle Einnahmen uns Ausgaben sind wichtig und müssen festgehalten werden. Egal wie groß oder klein ihr Betrag auch ist.


Sie müssen also ihr Budget einschätzen können. Nur so lässt sich finanzielle Sicherheit schaffen. Das Haushaltsbuch kann und wird Ihnen dabei helfen. Es verrät Ihnen dann nämlich zum Beispiel, dass Sie im letzten Monat mal wieder 24€ nur in Kaffe im Pappbecher investiert haben und Sie fragen sich:
Ist es mir das eigentlich wert oder sollte ich vielleicht selber aufbrühen und aus der Thermoskanne genießen? Bei letzterem würden Sie jedenfalls gute 20€ im Monat sparen. Ihr Sparschwein wird es freuen.

Ihr neues Mindset: Die Kosten im Blick

Nicht nur in Bezug auf die Vergangenheit kann Ihnen ein Haushaltsbuch helfen, ihre finanzielle Situation zu optimieren. Auch für die Zukunft profitieren Sie automatisch durch ein andauernden Lerneffekt. Mit der Zeit bekommen Sie ein Gefühl für ihre täglichen, wöchentlichen und monatlichen Ausgaben. Bei jeder Kaufentscheidung haben Sie ihr aktuelles Budget im Kopf und so fragen Sie sich ganz automatisch: Kann ich mir das wirklich diesen Monat noch erlauben? Es entsteht ein neues Mindset, dass voll und auf Kostenkontrolle ausgerichtet.
Sie glauben uns nicht? Dann probieren Sie’s doch einfach mal aus. Mehr als ein zwei Minuten Zeit am Tag haben Sie nicht zu verlieren. Im folgenden wollen wir Ihnen nun zeigen, wie Sie ihre persönliche Buchführung einfach und effizient erledigen können.


Erkenntnis #2:
Durch ein neues Mindset bekommen Sie ganz automatisch mehr Gefühl und Sicherheit für ihren finanziellen Alltag. So bleibt das Konto auch am Monatsende gut gefüllt.


Ihre persönliche Challenge

Natürlich ist Buchführung (das geben wir zu) wirklich keine Sache, mit der man sich gerne jeden Tag herum schlagen möchte (außer vielleicht ihr Beruf ist Buchhalter) und doch möchten wir Ihnen nahe legen, das ganze mal zu versuchen. Was Sie davon haben, haben Sie nun oben ausführlich gehört. Jetzt geht es um die Praxis und dafür laden wir Sie zu ein Challenge ein: Schon drei Monate, also ein ganzes Quartal, können Ihnen helfen eine ganze Menge über ihr Ausgabenverhalten zu lernen und dieses zu optimieren. Ein Quartal bildet nämlich in der Regel genau de Zyklus ab, in dem alle Einnahmen und Ausgaben, die in Ihrem Alltag so vorkommen mindestens einmal vorgekommen sind.

Jetzt Fan werden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, dann werden Sie Fan unserer Facebookseite. Keine neuen Artikel mehr verpassen.

Mehr

Auch wenn Sie ihre Finanzen also nicht dauerhaft erfassen wollen, haben Sie nach drei Monaten immerhin einen guten Überblick als Basis geschaffen. Vielleicht nehmen Sie sich auch vor einmal im Jahr für ein paar Monate Buch zu führen. So können Sie immer wieder prüfen, ob ihr Mindset noch passt.


Erkenntnis #3:
Durchhalten lohnt sich. Machen Sie das Haushaltsbuch zu Ihrer persönlichen Challenge.


Mit digitalen Helfern und System einfach ans Ziel

Auch die Buchführung gelingt im digitalen Zeitalter ganz einfach. Lassen Sie also am besten Notizbuch und Bleistift gleich links liegen und greifen zu Laptop, Tablet oder Smartphone. Dank der Cloud haben sie ihr Haushaltsbuch so überall zur Hand, egal ob sie gerade im Supermarkt an der Kasse stehen, auf der Couch entspannen oder Büroarbeit erledigen. So lässt sich nicht nur eine Menge Zeit sparen, sondern auch Korrekturen oder Nachträge sind ohne Umstände möglich.

Der Killer-Vorteil von einer digitalen Lösung ist jedoch ihre Intelligenz. Während Sie auf der einen Seite nichts weiter zu tun brauchen als Daten einzugeben, übernimmt die Software für Sie die Auswertung. Am Ende ergeben sich so übersichtliche Grafiken, die einfach verständlich und hilfreich sind.

Grundsätzlich haben Sie heute zwei Lösungen, ihr digitales Haushaltsbuch zu führen. Die eine ist sehr individuell und bietet alle Möglichkeiten, die andere ist super einfach und bringt Sie trotzdem zum gewünschten Ergebnis:

Von der Theorie in die Praxis

Egal für welche Lösung Sie sich entscheiden, bevor es los geht müssen Sie überlegen, wie sich Ihre Ausgaben und natürlich auch die Einnahmen nachvollziehbar kategorisieren lassen. Eine gute App wird Sie also bei jedem Eintrag fragen: „Wie soll ich das verbuchen?“ und auch in ihr Excel-Haushaltsbuch gehören unbedingt Kategorien. Hierfür sollten Sie sich wirklich einen Moment Zeit nehmen. Denn wenn schließlich die Hälfte aller Beträge unter dem Punkt „Sonstiges“ in ihrem Haushaltsbuch zu finden ist, dann lässt sich daraus wenig ablesen.
Als kleine Hilfe schlagen wir Ihnen die folgenden Kategorien als Grundlage vor:

Wie Ihnen vielleicht schon aufgefallen ist, haben wir hier keine Kategorien wie Miete oder Auto aufgeführt. Ausgaben dieser Art zählen zu den Fixkosten. Unter diesem Oberbegriff fassen wir alle Kosten zusammen, die jeden Monat und automatisch anfallen. Natürlich sind auch diese Kosten für Sie interessant und es lohnt sich hier nach Sparpotenzialen zu suchen, doch damit beschäftigen wir uns in einem anderen Artikel. Beim Haushaltsbuch stehen nämlich die variablen Kosten im Fokus, die sich stetig von Monat zu Monat verändern.
Die variablen Koste gehen von ihrem Budget ab, also dem Betrag der jeden Monat übrig bleibt, wenn Sie von Ihren festen Einnahmen (Gehalt, Geldanlagen…) die Fixkosten abziehen. Zum besseren Verständnis haben wir diesen Zusammenhang noch einmal in der folgenden Grafik dargestellt:

So führen Sie ein Haushaltsbuch, Ratgeber

Die Tabelle auf der rechten Seite stellt dabei ihr Haushaltsbuch dar. Dort wo in der Abbildung die Fragezeichen auftauchen wird es interessant. Denn hier füllen Sie Ihr Haushaltsbuch mit all den Geldbeträgen, die täglich anfallen: 2,60 € beim Bäcker, 14,97 € im Supermarkt, 9,30 € im Café…
Nun haben Sie nicht nur ihr aktuelles Budget immer im Blick und können so auf den restlichen Monat gesehen besser planen, sondern sehen gleichzeitig auch wie viel Geld in welche Kategorie geflossen ist.

Und wenn am Monatsende noch was übrig bleibt? Dann haben Sie die Wahl: Packen Sie den Betrag per Überweisung aufs Sparkonto oder Depot oder schreiben Sie ihn im nächsten Monat als Einnahme gut. In jedem Fall erhöht sich dabei ihr finanzielles Polster.


Praxistipp #1: Sie müssen nicht immer gleich sofort jeden Betrag in ihr Haushaltsbuch eintragen. Das kann wirklich umständlich werden. Am besten Sie nehmen sich jeden Abend kurz Zeit und geben alle Beträge des Tages ein. Das dauert nicht mehr als 2-3 Minuten und wird so schnell zur täglichen Routine.

Praxistipp #2: Immer nach der Rechnung fragen. Vielleicht haben Sie ja auch kein Problem damit , sich alle Geldbeträge bis zum Abend zu merken. Allen anderen empfehlen wir jedoch, immer nach der Quittung zu fragen. Im Supermarkt bekommen Sie den Zettel in der Regel ganz automatisch, aber vor allem im Restaurant oder Kino sieht das anders aus.


Fazit unseres Ratgebers Haushaltsbuch

Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht wirklich spannend klingt über die persönlichen Finanzen Buch zu führen (vor allem wenn es dabei um jeden Cent geht). Zumindest eine Zeit lang kann es helfen, den inneren Kompass in Sachen Ausgaben neu zu eichen. „Reich werden, kommt schließlich nicht von Geld ausgeben“, sagt ein Sprichwort und deshalb ist es so wichtig die persönlichen Ausgaben im Blick zu haben und auch zu hinterfragen. Jedenfalls dann, wenn Sie wirklich daran interessiert sind langfristig Wohlstand aufzubauen.

Kommentare | Ihre Meinung ist uns wichtig. Diskutieren Sie mit!

Schreiben Sie Ihren Kommentar