Tesla Aktie: Diese 3 Punkte vergessen die Kritiker

Erschienen: 16.02.2018 | Thema: Börse und Aktien | Lesezeit: 3 Min.

Die Zeiten sehen schlecht aus für den US-Elektroautobauer Tesla. Diesen Eindruck könnte zumindest gewinnen, wer sich derzeit in der deutschen Medienlandschaft nach Berichten über das Unternehmen umschaut. Täglich machen neue Horrorschlagzeilen die Runde: Von rekordverdächtigen und stetig steigenden Verlusten ist da die Rede oder von Produktionsproblemen beim neuen Tesla Model 3. Und dann kommt auch noch die angeblich so katastrophale Ökobilanz der Elektroflitzer hinzu, die natürlich ausschließlich mit dreckigem Strom aus Braunkohle unterwegs sind. Doch ist es um Tesla wirklich so schlecht bestellt oder ist das alles nur übertriebene Panikmache?

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Tesla ist mehr als nur ein Autobauer

Um Tesla in das Marktgeschehen einordnen zu können, wird das Unternehmen gerne mit klassischen Autobauern wie General Motors oder Volkswagen verglichen. Dabei werden allein die Maßstäbe angesetzt, die einen typischen Autokonzern definieren.

Aber eben dieser typische Autokonzern ist Tesla nicht und möchte es auch niemals werden. Das Unternehmen unter der Leitung von Elon Musk, setzt bewusst auf eine ganz andere Strategie. Dabei geht es nicht allein um ein Auto, sondern vielmehr um die Mobilität als Gesamtpaket und alles was damit verbunden ist. Dieser Aspekt wird bei der Bewertung von Tesla leider viel zu selten berücksichtigt.

Denn schließlich baut Tesla nicht einfach nur Elektroautos, sondern liefert die eigene Infrastruktur dazu gleich mit. Allein das mittlerweile weltweit ausgebaute Schnelladenetzwerk des Unternehmens, stellt einen enormen Wertzuwachs dar. In Europa existieren bereits mehr als 300 dieser sogenannten „Supercharger“, davon knapp 60 in Deutschland. Sie bieten Ladeplätze für mehrere Tausend Elektroautos und sind dabei so positioniert, dass sich bei weiten Fahrstrecken stets eine optimale Erreichbarkeit an Lademöglichkeiten bietet.


Allein in Deutschland wächst der Markt enorm

So hat auch Tesla dazu beigetragen, dass das Ladenetz für E-Autos in Deutschland mittlerweile eines der besten weltweit ist, wie aus einem aktuellen Bericht auf Bloomberg.com hervorgeht. Die Zahlen zeigen auch, dass Deutschland zurzeit der drittgrößte Markt für Elektroautos ist, nach China und den USA. So konnte Tesla im deutschen Markt im letzten Jahr um stolze 75 % wachsen. Damit ist man fast gleich auf mit dem Konkurrenten Porsche, dessen Modelle sich in einem vergleichbaren Preisumfeld bewegen. Doch von dieser positiven Marktentwicklung profitiert nicht nur Tesla. Auch andere ausländische Hersteller, wie zum Beispiel Renault sind mittlerweile erfolgreich am deutschen E-Auto-Markt vertreten.

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Was macht dagegen die deutsche Autoindustrie? - Sie konzentriert sich weiterhin lieber auf altbewährte Technik, wie den Diesel. Trotzdem scheinen auch die Großkonzerne das Potential hinter einem eigenen Ladenetz entdeckt zu haben. Bisher vertraten sie doch eher das Motto: „Das sollen andere machen.“ Denn mit einer eigenen Allianz, die unter anderem die Autobauer VW, BMW und auch Ford gebildet haben, wollen sie bis Ende 2018 bis zu 100 Ladestationen in Europa errichten. Zum Vergleich: Tesla verfügt bereits heute über mehr als 1.100 Supercharger weltweit. Weitere sind im Bau.



Batterien aus der Gigafactory

Ein weitere wichtiger Aspekt, der bei der Betrachtung von Tesla gerne vernachlässigt wird, ist die Produktion der Lithium-Ionen-Akkus. Hier setzt das Unternehmen ausschließlich auf Batterien aus eigener Fertigung und verschafft sich damit einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil. Denn die „Gigafactory“, wie Tesla seine Batteriefabrik nennt, produziert Batterie-Zellen in riesigen Stückzahlen. Diese Scalen-Effekte sorgen für Kosteneinsparungen von 30 % pro Zelle, verglichen mit anderen Akkuherstellern.

Doch nicht nur für Autos verwendet Tesla seine Akkus, auch in den Energiespeicheranlagen für Privathaushalte, die das Unternehmen ebenfalls anbietet, kommen sie zum Einsatz. Und auch externe Kunden werden von Tesla mit Akkus beliefert. Somit sind E-Autos allein bei weitem nicht das einzige Standbein. Erst kürzlich ging zudem ein erster Großspeicher ans Netz, den das Unternehmen für einen australischen Windpark errichtet hatte. Damit kann Ökostrom in Spitzenzeiten zwischengespeichert werden.


Schlanke Strukturen und schnelle Prozesse

Zwar beschäftigt Tesla mittlerweile mehr als 30.000 Mitarbeiter weltweit, doch die Struktur des Konzerns ist weiterhin stark an der eines Start-Ups orientiert. Das bringt eine wichtige Dynamik mit sich, die dem Unternehmen Vorteile gegenüber der starren Konkurrenz verschafft. So laufen Entscheidungsprozesse nicht nur deutlich schneller ab, auch die Entwicklung und das Fehlermanagement profitieren davon.

Klassische Automobilhersteller benötigen zwischen 3 - 5 Jahren, um neue Modelle am Markt zu platzieren. Denn sie müssen den Bau eines neuen Fahrzeugs mit hunderten Firmen weltweit koordinieren, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Tesla setzt hingegen auf flache Hierarchien und baut viele Teile in eigener Fertigung. Dadurch lassen sich neue Ideen schneller und effizienter realisieren.

Auch die starke Integration der Onlinewelt in die Modelle, trägt dazu bei. Wenn Softwarefehler auftreten, lassen sich Updates drahtlos in das Auto eines jeden Kunden einspielen. Ein Besuch in der Werkstatt ist so für den Kunden nicht notwendig. Das freut nicht nur den Kunden, sondern sorgt wiederum für Kosteneinsparungen.

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Noch so viel mehr

Es ließen sich noch so viele weitere Punkte aufzählen, in denen sich Tesla von anderen Autoherstellern abhebt. Wir sehen aber vor allem die drei genannten Punkte als wichtige Kernaspekte an: Eigene Ladeinfrastruktur, Günstige Batterieproduktion und die starke Dynamik des Unternehmens. Mit Sicherheit war dieser Artikel auch ein wenig Lobhudelei auf Tesla, denn natürlich gibt es auch Schwachpunkte und Schattenseiten.

Aber wir sind der Meinung, dass Tesla nicht immer mit fairen Mitteln gemessen wird. Vor allem der aktuelle mediale Diskurs überschreitet zum Teil diese Grenze. Zumindest an den Börsen scheint man dies ähnlich zu sehen, denn der Börsenwert des Unternehmens ist weiterhin überragend. Wir sind daher von Tesla als Investment auch weiterhin überzeugt. Trotzdem ist die Aktie mit Vorsicht zu genießen, denn die Kursschwankungen sind zuweilen extrem. Eine Investition, die sich also eher an nervenstarke Anleger richtet.


HINWEIS: Dieser Artikel dient nicht dem Zweck der Anlageberatung, sondern rein der privaten Unterhaltung. Der Autor hält keine Wertpapiere an dem Unternehmen Tesla Inc.

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Dieser Artikel wurde bisher 1 mal kommentiert.

Horst Lüning

Endlich mal Jemand, der sich traut die Wahrheit zu sagen. Bei unseren Medien geht es ja ausschließlich um die Werbeeinnahmen der Autohersteller. Und - wer hätte das gedacht - Tesla schaltet niemals Werbung. Und schon wissen wir, warum auf Tesla geschimpft wird. (An dessen Tisch ich sitz', dessen Lied ich sing')

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