Tagesgeld - Das müssen Sie beachten

Erschienen: 23.06.2017 | Thema: Geldanlage | Lesezeit: 6 Min.

Heute zählt es zu den beliebtesten Finanzprodukten der deutschen Sparer: das Tagesgeldkonto. In den letzten 20 Jahren hat es das klassische Sparbuch immer weiter in die Bedeutungslosigkeit verdrängt. Zu Recht - wie wir finden, denn kaum eine andere Anlagemöglichkeit ist so leicht verständlich, flexibel und durchschaubar. Nahezu alle Filial- und Direktbanken haben entsprechende Produkte in ihrem Portfolio, so dass der Kunde hier die Qual der Wahl hat. Um das optimale Tagesgeldkonto für den eigenen Bedarf zu finden, müssen also einige Punkte beachtet werden. Wir klären auf.

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,,Warum soll ich überhaupt ein Tagegeldkonto eröffnen?“, das ist vermutlich die wichtigste Frage, die es zu beantworten gilt, bevor weitere Details erarbeitet werden. In diesem Fall ist die Antwort jedoch ganz einfach: wegen der Flexibilität.

Bei dieser Anlageform steht nämlich nicht in erster Linie die Rendite und die Mehrung Ihres Vermögens im Vordergrund, sondern sie dient vielmehr als reine Verwahrungsstelle für Ihre Geld. Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas ernüchternd, bietet in der Tiefe jedoch einige Vorteile:

Zusammengefasst kann man sich das Tagesgeldkonto also wie einen kostenlosen Tresor vorstellen, der das eigene Vermögen schützt, auf den man immer zugreifen kann und der nebenbei sogar noch Zinsen abwirft.

Auch wenn sich hier aktuell keine bemerkenswerten Wertzuwächse erzielen lassen, so ist das Tagesgeldkonto trotzdem anderen Anlagemöglichkeiten vorzuziehen. Das trifft vor allem dann zu, wenn es um die Vorsorge für unvorhergesehene Ausgaben geht. Das Auto muss in die Werkstatt, die Waschmaschine gibt den Geist auf oder noch schlimmer, der Job ist plötzlich weg. Für solche Fälle braucht es Kapital, welches immer verfügbar und somit nicht gebunden oder investiert ist. Als Aufbewahrung für dieses Polster, erweist sich das Tagesgeldkonto als optimal.



1. Nicht von Werbeaktionen täuschen lassen

Wenn Sie sich mit der Auswahl eines geeigneten Tagesgeldkontos befassen, lohnt sich wie so oft der genaue Blick auf das Kleingedruckte. Broschüren und Internetauftritte von Banken werben zwar häufig großformatig mit tollen Zinsen, jedoch sind diese Zinssätze häufig variabel und nur für kurze Zeit garantiert.

So verspricht Ihnen die SUPERBANK AG vielleicht einen tollen Zins von 1,2%, jedoch wird dieser nach nur drei Monaten Laufzeit zu einem Zins von 0,2% herabgesetzt. Hier gilt es verschiedene Angebote genau zu vergleichen und vielleicht ein Angebot auszuwählen, welches zwar anfänglich nicht sehr hohe Zinsen bringt, jedoch langfristig einen Zins von beispielsweise 0,4% garantiert.

Vergleichsportale können hier bei der Suche hilfreich sein. Fragen Sie auch zunächst bei Ihrer Hausbank nach. Möglicherweise gibt es ein besseres Angebot für Stammkunden. Auch ein Blick in das europäische Ausland sollten Sie in Erwägung ziehen. Ihr Vermögen ist hier durch EU-Gesetze gleichermaßen abgesichert.

Sparschwein in Modern - Die Grundidee des Tagesgeldkontos




Zusatztipp: Manchmal werben Banken auch mit tollen Zinssätzen, wenn Sie dafür weitere Finanzprodukte abschließen. Handeln Sie hier mit Vorsicht und überlegen Sie genau: Brauche ich das? Profitiere ich davon? Vorsicht vor Kostenfallen!





2. Mindest- und Maximalgrenzen beachten

Neben den Konditionen für die Verzinsung des angelegten Guthabens gibt es bei einigen Anbietern auch Regelungen zu Mindest- und Maximalanlagebeträgen. In den meisten Fällen wird hier jedoch nur eine obere Grenze des Anlagevermögens festgelegt. Für die meisten Anleger kann dies jedoch vernachlässigt werden, da solche Grenzen durchweg jenseits der 500.000 € Marke liegen.

Da die staatlich garantierte Einlagensicherung in dieser Größenordnung ohnehin nicht mehr greift, sollten Sie bei sehr hohen Geldbeträgen daher auch eine Verteilung der Summe auf mehrere Konten bei unterschiedlichen Banken in Erwägung ziehen.

Weiterhin sollten Sie in diesem Zusammenhang auch auf die Regelungen zur Verzinsung von höheren Geldbeträgen achten. Viele Banken gewähren auf Grund der aktuellen Niedrigzinsphase verringerte Zinsen ab einer gewissen Anlagesumme.

Zusammengefasst lässt sich daher sagen, dass für einige Sparer auch das gewünschte oder zukünftig erwartete Anlagevermögen bei der Auswahl des richtigen Tagesgeldkontos von Bedeutung sein kann. Prüfen sie bei einem bestehenden Konto regelmäßig, beispielsweise einmal im Jahr, ob das Produkt noch zu ihrer aktuellen Vermögenslage passt.



3. Die Auszahlung - Profitieren Sie maximal vom Zinseffekt

Ebenso wichtig wie ein fairer Zinssatz, ist die Häufigkeit der Zinsauszahlung auf das angelegte Guthaben. Hier gilt die einfache Regel: Je öfter, desto besser. Denn sobald erwirtschafteter Zins auf ihrem Konto gutgeschrieben wird, kann dieses Geld wieder verzinst werden. Dies wird auch als Zinseszinseffekt bezeichnet (mehr dazu haben wir für Sie bereits hier veröffentlicht).

Einige Banken bieten nur eine jährliche Auszahlung der Zinsen an, doch es lassen sich auch leicht Produkte mit einer Zinsgutschrift zu jedem Quartal oder optimal sogar mit monatlicher Auszahlung finden.

Auch wenn der Auszahlungsrhythumus einen Einfluss auf den Zinsertrag hat, so sollte er doch nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Ein höherer Zinssatz trägt hier stets mehr zur Rendite bei, als eine häufigere Auszahlung. Besonders bei niedrigen Anlagebeträgen macht sich der Effekt einer monatlichen Verzinsung gegenüber einer jährlichen Verzinsung kaum bemerkbar.

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4. Kosten - Auf die Gebührenfreiheit achten

Anders als das Girokonto dient das Tagesgeldkonto nicht zur Abwicklung ihres alltäglichen Zahlungsverkehrs. Genau wie für das klassische Sparbuch, sollten daher auch keine Kosten für die Führung eines Tagesgeldkontos anfallen. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, stellen viele Banken ihr Tagesgeldkonto daher als reines Online-Banking Produkt zur Verfügung. Sie möchten das nicht? Dann lohnt es sich nachzufragen.

Vor allem Sparkassen bieten auf Anfrage auch eine analoge Kontoführung in Verbindung mit einer EC-Karte an. Bei reinen Direktbanken, also Banken ohne eigene Filialen, gibt es diesen Service in der Regel nicht. Rechnen Sie bei der „klassischen“ Kontoführung jedoch mit schlechteren Zinskonditionen.


Wichtig: Achten Sie auch auf versteckte Kosten. Für besondere Dienstleistungen, wie beispielsweise die regelmäßige Zusendung von gedruckten Kontoauszügen per Post berechnen viele Banken pauschale Gebühren. Auch hier lohnt sich wieder der Blick ins Kleingedruckte.





Fazit: Eigene Situation einschätzen, Konditionen prüfen und Anbieter vergleichen

Auch bei der Geldanlage im vermutlich zur Zeit einfachsten Finanzprodukt müssen einige Punkte beachtet werden. Trotzdem sollten Sie sich nicht abschrecken lassen, denn ein geeignetes Produkt ist in diesem Fall schnell gefunden und einfach abzuschließen. Da das Tagesgeldkonto genau so unkompliziert und zeitnah wieder gekündigt werden kann, wie es eröffnet wurde, brauchen Sie hier auch keine Angst vor falschen Entscheidungen zu haben.

Deshalb sollten sie auch einen Anbieterwechsel nicht scheuen, wenn die Konditionen nicht mehr zu ihrem aktuellen Vermögensstand passen. Im Gegenteil: Wie oben beschrieben werben viele Anbieter sogar mit attraktiven höheren Kurzzeitzinsen für Neukunden. Hier können Sie ähnlich profitieren, wie bei einem regelmäßigen Wechsel des Stromanbieters.

Wie bei allen anderen Finanzprodukten, gilt auch hier die Regel: Lesen, verstehen und wenn nötig auch um Aufklärung bitten. Treffen Sie Anlageentscheidungen niemals voreilig und machen Sie sich den Inhalt des Vertrags bewusst.

Zum Schluss haben wir hier noch einen Linktipp für Sie. Auf der Seite Zinsen-berechnen.de können Sie kostenfrei prüfen, wie sich ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto ihrer Wahl verzinsen würde. Einfach Konditionen eingeben berechnen lassen.

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