Robo-Advisor: Werden Roboter bald unser Geld verwalten?

Erschienen: 17.12.2017 | Thema: Börse und Aktien | Lesezeit: 5 Min.

Die Digitalisierung ist auch in der Finanzbranche schon seit vielen Jahren allgegenwärtig. Sekundenschneller Handel mit Wertpapieren, Online-Banking und nicht zuletzt die Kryptowährung Bitcoin, all diese Entwicklungen machte allein der Computer erst möglich. Jetzt sollen Comptuer dank immer besserer künstlicher Intelligenz auch die Geldanlage managen. Wir haben diesen Trend einmal genauer angeschaut. Stehen wir vor einer Revolution und wo liegen Chancen und Risiken?

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Noch keine fünf Jahre alt ist eine der jüngsten Entwicklungen des Finanzsektors und doch sagt eine Vielzahl an Experten ihr schon jetzt eine sehr erfolgreiche Zukunft voraus. Die Rede ist von den sogenannten „Robo-Advisors“. Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater) und steht damit im Kontext zum klassischen, also dem menschlichen Anlageberater.

Vor allem in den USA, aber mittlerweile auch in Deutschland haben sich in den letzten Jahren eine Reihe an Unternehmen gegründet, die sich mit der Entwicklung solcher digitalen Finanzberater beschäftigen. Sie alle verfolgen das Ziel intelligente Software zu entwickeln, die die Geldanlage einfacher, besserer und kostengünstiger machen soll. Aber wie schafft ein Computer das?



Wo Robo-Advisor Bankern überlegen sind

Die Welt der Finanzen ist komplex, vielleicht sogar zu komplex. An den weltweiten Börsen notieren heute tausende Unternehmen in dutzenden Branchen und jedes Jahr kommen neue hinzu. Auch die Anzahl der Aktienfonds ist steigend. So haben Anleger die Wahl unter mehr als 38.000 Fonds, da sind Immobilien oder Rohstofffonds noch gar nicht mitgezählt. Unmöglich also für einen Menschen oder sogar für eine ganze Abteilung an Finanzexperten, dieses riesige Angebot zu erfassen und zu bewerten.

Sehr wohl möglich jedoch für einen Computer, wenn er die richtige und intelligente Software besitzt. So lassen sich alle Fonds und auch die Aktien aller börsennotierten unternehmen innerhalb von Minuten auswerten, einordnen und vergleichen. Das ist mit Sicherheit der größte Vorteil, den Robo-Advisor bieten können. Denn wer alle Möglichkeiten der Geldanlage kennt, der kann daraus auch die beste Anlageentscheidung treffen. Und die ist dann auch noch passgenau zugeschnitten auf den jeweiligen Kunden und dessen persönliche Situation.

Aber auch in weiteren Punkten bieten Robo-Advisor Chancen. Zum Beispiel wenn es darum geht, welche Kosten bei einer Geldanlage verursacht werden. Besonders für Fondsanleger ist es ein Ärgernis, dass die Kosten für das Management des Fonds oft einen Großteil der Rendite verschlingen. Dort wo Menschen arbeiten und Entscheidungen treffen entstehen schließlich auch Kosten. Das könnte sich in Zukunft dank der Robo-Advisor jedoch vermeiden lassen.

Auch ein Computer verursacht zwar kosten, aber die sind deutlich geringer als bei menschlichen Beratern. Der Robo-Advisor verlangt schließlich auch keinen Gehaltsbonus. Diese Kosteneffekte machen sich auch ETFs bereits zur Nutze, indem sie sich ein aktives Management des Fonds sparen. Als Anleger können Sie hier langfristig auf Grund von höheren Renditen enorm profitieren.

Auch in Sachen Einfachheit bieten Robo-Advisor Vorteile. Denn die komplexen Algorithmen die hinter der Software stecken, muss der Privatanleger garnicht mehr durchschauen. Alles was der Mensch noch vorgeben muss sind seine Ziele und seine Risikobereitschaft. Sämtliche weitere Parameter ermittelt die Software. Das bringt uns direkt zum nächsten Punkt. Denn schafft es nicht auch Risiken, wenn Menschen keinen Einblick mehr haben und die Kontrolle an den Computer abgeben?



Welche Risiken könnten Roboter-Advisor hervorbringen?

Dazu müssen wir uns noch einmal genauer anschauen, in welchem Umfang Robo-Advisor heute tätig sind. Aktuell sind die intelligenten Programme nämlich lediglich in der Portfoliozusammenstellung aktiv. Sie vergleichen also diverse Fonds, in der Regel sind das ETFs und wählen dann daraus die für den jeweiligen Kunden am besten passenden aus.

Wenn das Portfolio einmal steht, dann wird zudem in regelmäßigen Zeitabständen ein sogenanntes ,,Rebalancing“ durchgeführt. Damit ist sichergestellt, dass die vorgegebenen Rahmenbedingungen des Anlegers eingehalten werden. Wenn Sie also beispielsweise ein Portfolio mit 60 % Anleihen und 40 % Aktien wünschen, dann wird der Robo-Advisor regelmäßig durch den Zukauf und Verkauf von Fondsanteilen dafür sorgen, dass diese Gewichtung eingehalten wird.

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Wie wir also sehen ist der Robo-Advisor in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt. Er darf zwar in Ihrem Auftrag an der Börse handeln, muss sich dabei aber genau an Ihren Vorgaben orientieren. Gleiches würde für einen menschlichen Anlageberater ja ebenso gelten.

Dass Roboter also frei von jeder Kontrolle Aktien handeln, davon sind wir mit den heutigen Robo-Advisorn noch weit entfernt, trotzdem wäre so ein Szenario in Zukunft wohl nicht auszuschließen. Damit ein Computer allerdings wirklich gute Anlageentscheidungen treffen kann, braucht es noch weit mehr als ein paar Algorithmen, die einfach Aktien und Fonds anhand von Kennzahlen vergleichen.

So müsste ein Robo-Advisor in Zukunft dafür auch Unternehmen an Hand von gesellschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen und vielleicht sogar emotionalen Marktbewegungen bewerten können. Bis dahin dürfte wohl noch etwas Zeit vergehen.

Trotzdem sehen Experten zur Zeit das Risiko von „Herdenentwicklungen“. Wenn die Robo-Advisor nämlich für eine Vielzahl von Kunden nach dem gleichen Muster handeln, dann könnte sich daraus möglicherweise eine marktbeeinflussende Entwicklung ergeben. Momentan ist das von Computern verwaltete Vermögen zwar noch eher unbedeutend, jedoch rechnen einige Studien mit einem starken Wachstum bis 2020.



So können Sie zur Zeit Robo-Advisor nutzen

In Deutschland gibt es zur Zeit ca. 10 Anbieter, die Robo-Advisor-Dienste anbieten. Es kommen allerdings regelmäßig weitere hinzu. So ist seit neustem auch die Deutsche Bank dabei und auch weitere große deutsche Filialbanken wollen in 2018 nachziehen.

Da die Zahl der Anbieter noch sehr übersichtlich ist, gestaltet sich das Vergleichen für den Kunden hier einfach. Worin sich alle Robo-Advisor zudem gleichen ist die gesetzliche Absicherung. Denn rein rechtlich gelten Robo-Advisor ebenso als Anlageberatung genau wie klassische Finanzberater. Damit die BaFin als zuständige Behörde in der Aufsicht und die alle Anbieter sind somit an die gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen gebunden.

Auch besitzen die meisten Anbieter, wie beispielsweise Vaamo oder Fintego keine eigene Banklizenz, sondern kooperieren dafür mit anderen Banken. Ihr Geld wird also von dem jeweiligen Anbieter zwar verwaltet, liegt aber rechtlich bei einer anderen Bank. Wo genau, dass sollten sie in den AGB des Anbieters einsehen können.

Als weiteres Entscheidungskriterium für einen der Anbieter dient somit vor allem die Frage nach den Kosten. Diese möglichst klein zu halten, ist ja schließlich der Sinn und Zweck eines Robo-Advisors. Hier lohnt sich auch der Vergleich zu anderen Formen der Geldanlage.



Fazit: Auf die persönlichen Fähigkeiten kommt es an

Ob Sie nun die Geldanlage in die Hände eines Roboters geben sollten, dass hängt ganz von Ihrer persönlichen Eignung in Sachen Geldanlage ab. Wenn Sie bisher auch ohne Anlageberater zu Recht gekommen sind, dann sind Sie wohl auch gut damit beraten so weiterzumachen. Schließlich muss man sich auch immer vor Augen halten, dass mit jedem Service den Sie nutzen, Ihr Stück vom Kuchen immer kleiner wird.

Denn wenn der Robo-Advisor-Anbieter für Sie in ETFs investiert, dann verdient nicht nur der ETF-Herausgeber, sondern auch noch der Robo-Anbieter. Können Sie darauf nicht vielleicht verzichten?

Trotzdem sind wir der Meinung, dass in diesem Bereich in Zukunft noch einiges passieren dürfte. Spätestens dann, wenn Computer wirklich so intelligent sind, dass sie auch bei der Auswahl von Einzelaktien die bessere Entscheidung treffen. Vor allem für unerfahrene Anleger, kann dies eine große Hilfe werden.

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