Mit wenig Geld an die Börse - Lohnt sich das?

Erschienen: 01.08.2017 | Thema: Börse und Aktien | Lesezeit: 6 Min.

,,Mit wenig Geld in Aktien investieren, das macht doch keinen Sinn.“ - Viele Menschen kennen dieses Vorurteil und da Sie gerade diesen Artikel lesen, gehören Sie wahrscheinlich auch dazu. Stimm es also? Muss man wirklich mindestens ein paar tausend Euro in die Hand nehmen oder kann man vielleicht auch schon mit wenigen hundert Euro am Aktienmarkt durchstarten? Hier kommt unsere Antwort.

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Wie bei so vielen Dingen im Leben, lässt sich auch diese Frage nicht ganz einfach mit Ja oder Nein beantworten. Es kommt dabei nämlich auf unterschiedliche Faktoren an und die sind nicht bei jedem Anleger gleich. Doch betrachten wir zunächst einmal das Grundsätzliche, die Basics sozusagen.

Rendite - das Erfolgsmaß einer jeden Geldanlage

Beispiel 1:
Sie investieren 500 € in die Aktien einer Firma. Zum Zeitpunkt des Kaufs steht der Kurs bei 10 € pro Aktie. Sie können mit ihrem Geld also 50 Aktien kaufen.
Nach einem Jahr steht der Kurs Ihrer Aktie bei 13 € und Sie verkaufen alle Ihre Aktien wieder. Dafür bekommen Sie 650 € und haben somit 150 € Gewinn erzielt. Glückwunsch!


Nun interessieren wir uns aber nicht nur für den absoluten Gewinn, also hier im Beispiel 150 €, sondern viel mehr für die Rendite, die das eingesetzte Kapital erzielt hat. Die Rendite liegt in diesem Beispiel bei 30% und ist sozusagen der Messwert für den Erfolg unserer Investition. Und jetzt kommt das Entscheidende: Es ist vollkommen egal, wie viel Geld Sie zu Beginn investiert haben, die (Brutto-)Rendite ist am Ende immer gleich.

Zunächst einmal können Sie sich also merken, dass der Anlagebetrag nicht über den Erfolg einer Geldanlage entscheidet. Auch mit dem Kauf einer einzigen Aktien kann trotzdem ein Gewinn erzielt werden. ABER: Das ist leider noch nicht die ganze Antwort auf unsere Frage!

In unserem Beispiel oben haben wir eine wichtige Sache nicht berücksichtigt: die Gebühren. Auch an der Börse lauern Gebühren an jeder Ecke, die unsere Rendite sprichwörtlich „auffressen“, jedenfalls zu einem gewissen Teil. Wie das genau aussieht, wollen wir Ihnen in unserem zweiten Beispiel zeigen:

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Immer die Gebühren im Blick

Beispiel 2:
Schon wieder kaufen Sie für 500 € Aktien einer Firma und auch diesmal zu einem Preis von 10 € pro Aktie. Ihr Broker bzw. Ihre Bank berechnet Ihnen dafür eine Ordergebühr von 10 €. Sie besitzen jetzt also 50 Aktien und haben dafür 510€ bezahlt.
Nach einem Jahr verkaufen Sie die Aktien wieder zu einem Kurs von 13 € je Aktie. Auch hierfür müssen wieder Ordergebühren in Höhe von 10 € bezahlt werden. Sie erhalten 640 € und haben somit einen Gewinn von 130 € erzielt. Diesmal beträgt die Rendite nur 25,5 %.


Wie Sie sehen verringern die Gebühren unsere Rendite um 4,5 %. In diesem Beispiel ist das kein großer Unterschied. Entscheidend dabei ist jedoch, dass sich die Gebühren nicht vollkommen relativ zum investierten Kapital berechnen, sondern in gewisser Weise fix sind. Egal ob Sie nun also für 100 € Aktien kaufen oder für 1000 €, in beiden Fällen betragen die Gebühren (je nach Broker) ungefähr 10 €. Dadurch ergibt sich ein großer Einfluss auf die Rendite. Zum besseren Verständnis haben wir diesen Zusammenhang in der nachfolgenden Grafik für Sie dargestellt:



Wie Sie deutlich sehen können, wirken sich die Gebühren besonders stark bei kleinen Anlagebeträgen aus. Im erste Fall werden Aktien im Wert von 200 € gekauft, wobei zusätzlich 10 % an Gebühren anfallen. Mehr als die Hälfte der hier erzielten Rendite geht also nicht auf Ihr Konto, sondern landet bei Ihrer Bank. Kein gutes Geschäft, oder?

Bei einem Investment von 1000 € fallen dagegen nur noch 2 % an Gebühren an und Sie sehen weiterhin, dass die Gebühren bei einem Betrag von 5000 € fast gar nicht mehr ins Gewicht fallen.

Ebenso muss auch berücksichtigt werden wie sich die Gebühren auf das Risiko der Geldanlage auswirken. Denn Sie müssen bedenken, dass die Gebühren immer anfallen, egal wie gut oder schlecht sich Ihre gekaufte Aktie entwickelt. Auch bei einem Verkauf mit Verlust fallen Gebühren an. Im Klartext heißt das: Im Fall des Investments von 200 € muss die Aktie erstmal um 10 % steigen, bevor Sie überhaupt in die Gewinnzone kommen. Das ist schon ein ganz ordentlicher Anstieg. Bei 5000 € machen Sie schon ab 0,4 % Kursanstieg Gewinn.

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Wir lernen also: Der Anlagebetrag bestimmt zwar nicht über den Erfolg unseres Investments, aber er bestimmt sehr deutlich über den tatsächlichen Gewinn und indirekt auch über das Risiko. Es lohnt sich also wirklich, erst zu sparen und dann für einen größeren Betrag Aktien zu kaufen, als regelmäßig kleinere Beträge zu investieren.

Trotzdem: Auch mit kleinen Beträgen ans Ziel!

Auch wenn Sie gerade nicht mindestens 1000 € auf dem Sparbuch (oder besser auf dem Tagesgeldkonto) haben, die investiert werden können, denken Sie daran: „Auch Kleinvieh macht Mist!“. Hier ein paar Ansätze und Möglichkeiten:

Fazit

Es stimmt also wirklich, dass sich kleine Beträge an der Börse weniger lohnen. Der Grund dafür sind Ordergebühren, die bei kleinen Beträgen stärker ins Gewicht fallen. Trotzdem gilt die Devise: Kleine Beträge zu investieren, ist immer noch besser als garnicht zu investieren. Das gilt vor allem wenn Sie langfristig und nachhaltig denken, um Ihr Vermögen aufzubauen. So profitieren Sie schon ab dem ersten Euro, vom exponentiellen Verlauf eines jeden Investments (Stichwort Zinseszins) und können von Dividendenerträgen profitieren. Mit der richtigen Anlagestrategie und einem günstigen Broker lässt sich die Gebührenlast zudem ganz einfach und effektiv senken.

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